Kranke Geschäfte
Unter diesem Titel veröffentlichte der Spiegel in seiner Ausgabe vom 20. April 2008 auf den Seiten 98 - 102 einen Bericht von Julia Bonstein. In diesem Bericht geht es um die Praxis von Pharmaunternehmen, nach Ärzten und Apothekern nun auch Selbsthilfegruppen und Patientenvereine zu unterwandern und für ihre Ziele einzusetzen. Nach einer Studie des Bremer Gesundheitsökonoms Gerd Glaeske liegt die Finanzierung bei etwa einem Viertel der Selbsthilfegruppen schon bei 20%, bei 5% schon in der Höhe von mehr als der Hälfte des Budgets. Warum?
Im Unterschied zu Arzneimittelherstellern ist es Patientenvereinen erlaubt, Medikamente unter ihrem Handelsnahmen zu nennen. Während das Heilmittelwerbegesetz den Pharmaunternehmen verbietet, beim Laien direkt für verschreibungspflichtige Medikamente zu werben, können Patientenvereine und Selbsthilfegruppen diese Medikamente beim Namen nennen und regelmäßig über neue Behandlungsmethoden berichten - und so auch für diese werben. Eine Möglichkeit, die sich Arzneimittelhersteller natürlich nicht entgehen lassen.
Julia Bonstein im SPIEGEL:
"...Dabei kämpfen die Pharmalobbyisten bereits um den nächsten Schritt: Auf europäischer Eben wollen sie das Werbeverbot für verschreibungspflichtige Medikamente kippen. Der Dachverband der britischen Pharmahersteller ABPI formuliert in einem Strategiepapier drastisch: Um das Werbeverbot zu bekämpfen, wolle man 'Fußtruppen in Form von Patientenselbsthilfegruppen und Gesndheitsberufen' bilden. Wohin das führen könnte, zeigt sich in den USA. Dort ist die Direktwerbung für verschreibungspflichtige Arzneimittel legal. Dass den Herstellern die Werbung nutzt, ist umstritten. Der Nutzen für die Patienten allerdings ist höchst zweifelhaft. Eine Studie kommt zu eindeutigen Ergebnissen: 96 Prozent der US-Patienten, die durch Werbung für Antidepressiva angeregt wurden, zum Arzt zu gehen, hatten gar keine behandlungsbedürftige Depression".
Diese aggressive Einflußnahme kostet den Staat - und somit alle Bürger - in jedem Jahr deutlich mehr als 100 Milliarden € und verursacht viel überflüssiges Leid, Schmerzen ohne Not, treibt Menschen ich die Abhängigkeit und verwehr ihnen Heilmethoden, die zum Teil wirkungsvoller sind - und das auf natürlichem Wege!
Wie lange müssen sich Patienten und Steuerzahler gezielte Desinformationskampagnen, Einflußnahme und Nötigung noch gefallen lassen? So lange, bis sie erkannt haben, das sie auch und gerade Wähler sind...
Vitamine gegen Krebs schrieb zu dem Artikel einen
Leserbrief.
